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06.09.2011 (19:00), Thema des Tages:

Reisen mit dem Automobil - Die Zukunft der Mobilität

von Thomas Kletschke

v.l.n.r.: Peter Hays, Konrad Kobler, Dr. Markus Lienkamp, Maximilian Schöberl, Ruthart Tresselt
FOTO: Johann Schwepfinger

Die Geschichte des Autos ist eine Geschichte der Innovation. Vor 125 Jahren meldete Carl Benz das erste Automobil offiziell als Patent an. Heute ist die Automobilbrache allein mit über 4 Millionen exportierten Fahrzeugen eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Schwindende Ressourcen, Wirtschaftskrisen, Staatsdefizite und Klimawandel erfordern weitere Innovationen, denn die Menschen wollen auch in Zukunft mit dem Auto verreisen.
Die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien werden dabei eine große Rolle spielen. Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Vor der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt (13. bis 23. September) diskutierte das PresseClubforum über das Thema. Auf dem Podium debattierten Maximilian Schöberl (Leiter Konzernkommunikation und Politik bei BMW, Prof. Dr. Markus Lienkamp (TU München), Konrad Kobler (CSU-Landtagsabgeordneter und Verbraucherschützer) und Peter Hays (Fachjournalist und Solarmobiltester)). Ruthart Tresselt, Vorsitzender des PresseClubs, moderierte das Gespräch.

„Wie wird die Zukunft des Automobils aussehen?“, wollte Ruthart Tresselt zunächst von BMW-Mann Maximilian Schöberl wissen. Der gestand, dass die Autoindustrie den Weg noch nicht gefunden hat. „Künftig werden wir verschiedene Antriebsquellen haben müssen“, sagte Schöberl. Herkömmliche Motoren werde es auch in Zukunft geben; sie müssten aber effizienter werden. Bei Ottomotoren könne beim Verbrauch gespart werden. Auch sei eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um bis zu 30 Prozent machbar. Zudem würden mehr Fahrzeuge mit Hybridantrieben sowie reine Elektromobile für Großstädte auf den Markt kommen. Wasserstoff- und Brennstoffzelle-Antriebe seien eher in weiterer Zukunft zu erwarten, so der Konzernvertreter. Zudem machte er klar, dass einzelne Antriebsarten in verschiedenen Märkten nicht gewünscht sind. So seien etwa in China Diesel-Antriebe für Pkw verboten. Und in den USA seien Diesel-Fahrzeuge bei den Kunden nicht beliebt; sie fragten derzeit viel eher Hybrid-Antriebe nach.

Auch Markus Lienkamp prognostizierte eine breitere Palette von Zukunfts-Autos. Der Lehrstuhlinhaber für Fahrzeugtechnik meinte: „Es gibt nicht das Auto der Zukunft, sondern die Autos der Zukunft.“ Auch er war überzeugt, dass konventionelle Verbrennungsmotoren für Fahrzeuge im Mittelstreckenbereich noch lange gebraucht würden. „Auf diesen Strecken brauchen wir keinen Hybrid“, so der Forscher. Hybridautos seien schwerer und teurer. Dagegen seien Erdgas-Fahrzeuge besser geeignet, da Gas günstiger sei und der CO2-Ausstoßgeringer sei. Elektro-Autos würden eher als Zweitwagen eine Rolle spielen. Ihre Vorteile könnten sie im Stadtverkehr und auf Kurzstrecken bis 60 Kilometer ausspielen. Die Mobilität in Großstädten würde zudem zunehmend durch Nahverkehrsmittel (ÖPNV) gewährleistet werden. „Auf Langstrecken ab 300 Kilometern werden Züge und Flugzeuge eine größere Rolle spielen“, sagte Lienkamp. Für die großen Megacities zeichne sich ab, dass sie durch Mautgebühren und andere Zulassungsbeschränkungen Autos aus den Innenstadtbereichen vertreiben wollen. So habe etwa der Stadtstaat Singapur hohe Gebühren allein für die Zulassung eines Pkw eingeführt.

Erfüllbare Herkulesaufgabe

Der CSU-Abgeordnete Konrad Kobler drängte vor allem auf Gesetzesänderungen, damit das Ziel E-Mobilität erreicht werden könne. „In den nächsten 10 Jahren müssen 1 Million Elektro-Fahrzeuge laufen“, sagte er. Das sei eine Herkulesaufgabe, die aber erfüllbar sei. „Denken wir 5 Jahre zurück. Da wurden E-Bikes belächelt. Aber im letzten Jahr gab es 200.000 Elektro-Fahrräder, jetzt sind es bereits 300.000 Tausend E-Bikes.“ Für Kobler ist die Speicherung der Energie noch ein Problem. Die E-Mobilität sei derzeit noch eine Mogelpackung. Das Ziel müsse sein: „Von Anfang an regenerative Energie für die E-Mobile.“

Fachjournalist Peter Hays testet seit bereits 20 Jahren Solarmobile und Elektro-Autos. Auch er war überzeugt, dass diese Fahrzeuge vor allem auf kurzen Strecken von Vorteil sind. Lange Touren würden schnell zur Expedition, meinte Hays. Eine Tour von 3000 Kilometern habe er beispielsweise mit 60 Tankstopps bewältigen müssen. Aber die Versorgung mit Strom für die Autos habe sich deutlich verbessert. Und mit dem US-Hersteller Tesla habe München einen Premiumanbieter vor Ort, dessen Roadster bei Prominenten immer beliebter würden. Die Fahrzeuge aus dem Showroom in der Blumenstraße könnten bequem vor Ort aufgeladen werden und hätten bis zu 400 Kilometer Reichweite.

Damit war das Stichwort Wettbewerb gefallen. Ruthart Tresselt fragte BMW-Mann Schöberl, ob die deutschen Hersteller derzeit dem Markt hinterher hinken. Für Schöberl stand fest, dass die hiesige Autoindustrie höchste Ingenieurskunst liefere, die einen Weltruf genieße. Aber: Es gebe in Japan Steuergesetze, die etwa den Toyota-Hybrid bevorzugt hätten. Und auch die USA würden durch Förderung der eigenen Industrie den Wettbewerb für deutsche Hersteller erschweren. „Die deutsche Automobilindustrie wird in der Welt auch behindert“, so Schöberl. Und die E-Mobilität hätte bei den hiesigen Herstellen eine Zeit lang nicht so im Fokus gestanden.

TU-Professor Lienkamp urteilte, die deutschen Hersteller seien bei Elektro-Autos bisher keine Trendsetter gewesen. Aber er gestand der hiesigen Industrie zu, aufzuholen. „Das war bei dem Partikelfilter von Peugeot ähnlich: Danach hat die deutsche Industrie Gas gegeben“, erinnerte er an die jüngere Vergangenheit. „Bei der Automobiltechnik kann uns höchstens Toyota das Wasser reichen“, sagte der Forscher. Modelle wie der von Hays erwähnte Tesla seien zwar toll, aber technologisch überholt. Was in Deutschland garantiert fehle, sei die Zellproduktion für die Batterien. Die Kapazitäten seien viel zu klein.

Wettbewerb und E-Mobil-Touren

Der Landtagsabgeordnete Kobler meinte, Deutschland habe die Chance innerhalb weniger Jahre Innovationsführer zu werden. Auch er mahnte an, dass die Zellproduktion deutlich ausgebaut werden müsse. Autotester Hays forderte, dass die Elektromobile deutlich trendiger im Design werden müssten. Die Solarmobile der ersten Generation hätten dies nicht geleistet. Aber erst mit gut designten E-Mobilen würde der Markt sich weiterentwickeln.

Auch der Kaufpreis ist ein wichtiges Kriterium, wie Fragen aus dem Publikum zeigten. So werden etwa die von BMW künftig angebotenen Modelle i3 und i8 recht teuer sein. Aber neben Premiumherstellern gibt es weitere Anbieter. So auch die TU München. Deren Vertreter machte Werbung in eigener Sache. „Die TU München stellt in einer Woche auf der IAA ein eigenes Auto vor – zum Kleinwagenpreis“, kündigte Markus Lienkamp an. Auch diese Fahrzeug wäre in der Anschaffung teurer als ein Benziner. Aber Strom als Energiequelle sei billiger. Zudem gebe es eine bessere Energieausnutzung. An dem von der Universität entwickelten Fahrzeug seien auch Hersteller interessiert, sagte Lienkamp. So sei man mit BMW und Daimler im Gespräch. Der sportliche Wettbewerb der Hersteller untereinander und mit der Forschung hat also längst begonnen. Und auch weitere Konzepte werden parallel verfolgt, wie Lienkamp erklärte. So seien etwa E-Mietautos, die man sich per iPhone-App bestelle, ein künftiger Baustein des Mobilitätskonzepts. Und Anfang Oktober haben Interessierte Gelegenheit, E-Mobile zu testen. Dann will der Reiseveranstalter Formula Sun Tours im Fünfseenland eine zweitägige Tour mit E-Mobilen anbieten, so Solar-Pionier Peter Hays.

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