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18.10.2012 (19:00), Thema des Tages:

Neue Weltmacht China

Chinesischer Generalkonsul Wang Shunqing und Peter Schmalz

Lieber Audi als Mercedes – Neue Weltmacht China

In der VR China gilt Franz Josef Strauß noch heute als der Politiker, der die Türen zwischen Deutschland und dem Reich der Mitte geöffnet hat. Seit seinem ersten Besuch 1975, bei dem er noch Mao Zedong getroffen hat, bestehen zwischen Bayern und China besonders enge Beziehungen, von denen vor allem bayerische Firmen profitieren. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird China Exportland Nr. 1 für Produkte aus dem Freistaat sein. Auch deshalb ist es für Bayern wichtig, welchen Kurs die Führung in Peking künftig einschlägt. Verschieben sich globale Pole? Müssen Europas Arbeitnehmer die neue Wirtschaftsmacht China fürchten? Sollten bayerische Touristenführer bald Chinesisch lernen? Darüber diskutierten am 18. Oktober 2012 – nur wenige Wochen vor dem wichtigen 18. Parteitag der KP in Peking – der chinesische Generalkonsul Wang Shunqing mit Presseclub-Vorstand Peter Schmalz.

Von Thomas Kletschke

Für den PresseClub München war es eine Premiere – und auch für Wang Shunqing. Der Generalkonsul der Volksrepublik China war zum ersten Mal Gast am Marienplatz; und auch im PresseClub konnte bisher noch kein chinesischer Amtsträger des diplomatischen Dienstes begrüßt werden. Presseclub-Vorstand Peter Schmalz zählte die zahlreichen Erfolge der Chinesen auf, die in den letzten 20 Jahren auf wirtschaftlichem Gebiet einen „Sturmlauf“ begonnen hätten. Lediglich in einem könne der Staat mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern nicht mehr an die Weltspitze vorstoßen, so PeterSchmalz. China sei lediglich das viertgrößte Land der Welt. „…flächenmäßig“, ergänzte Generalkonsul Wang Shunqing schlagfertig und gewitzt.

Seit etwa einem Jahr in München als Vertreter der VR China, zeigte Wang Shunqing, dass er der richtige Mann an der Isar ist. Eloquent und mit Studienerfahrungen in Heidelberg kennt der gebürtige Pekinger deutsche und auch bayerische Befindlichkeiten. Letzte Station seiner diplomatischen Laufbahn war die Botschaft in Wien.

Mao mochte Konservative lieber als Linke

Mit den bayerisch-chinesischen Beziehungen kennt er sich aus – und möchte sie gerne erweitern. Die haben seit mehr als 30 Jahren Tradition. Den Besuch Franz Josef Strauß‘ in China sieht er als Meilenstein. Warum FJS in China noch so präsent und beliebt sei, wollte Schmalz von Wang wissen. Strauß sei besonders bei Politologen und Diplomaten in China bekannt. Ein von Strauß verfasstes und dem damaligen Bonner Botschafter der Volksrepublik übersetztes Buch sei auch heute noch eine beliebte Lektüre bei Mitarbeitern im Auswärtigen Dienst Chinas, ließ Wang Moderator und Publikum wissen. Dabei sei besonders der Pragmatismus von FJS auf Gegenliebe gestoßen. Mit einem Zitat habe der auch der Große Vorsitzende Mao klar gemacht, dass der damalige Ministerpräsident des Freistaats ein gern gesehener Gast in Peking war. „Sinngemäß sagte er über Strauß: ‚ Er möchte lieber mit einem konservativen Politiker in Europa zu tun haben, als mit den linken.‘“, so Wang.

Auch heute noch gebe es gute Beziehungen zu Deutschland, die vor allem auch Bayern beträfen, sagte der Generalkonsul auf Nachfrage. So habe man frühzeitig das duale Ausbildungssystem aus Deutschland übernommen, dass man für wertvoll halte. Selbstverständlich sei man auch im Bereich Hochtechnologie an Kooperationen interessiert – die inzwischen wechselseitig verlaufen. So gebe es in München etwa ein großes Entwicklungszentrums des chinesischen Konzern Huawei. Selbstverständlich seien die Chinesen auch begeistert, wenn es um deutsche Automobile geht. Unternehmen wie BMW würden in China einen sehr guten Ruf genießen.

Limousinen aus Ingolstadt

Ein weiterer bayerischer Fahrzeugproduzent fährt in China große Gewinne ein. „Warum besteht denn der Fuhrpark chinesischer Behörden fast ausschließlich aus Audi-Fahrzeugen? Man sieht dort kaum Mercedes-Limousinen“, wollte Schmalz wissen. Wang meinte, dass die Limousinen der VW-Tochter aus Ingolstadt zwar als hochwertig, aber weniger aufdringlich wahrgenommen würden. „Das sind gute Autos, aber keine Luxusautos. Deshalb hat man sich vor etwa 15 Jahren für Audi entschieden“, so die Erklärung von Wang Shunqing.Für VW und Audi habe es eine sprunghafte Entwicklung in China gegeben. Letztes Jahr sei etwa der Audi- Umsatz auf dem chinesischen Markt um circa 40 % gestiegen.

Spezifisch chinesisch-bayerisch sind auch die Bande beim Bier: In Wuhan habe Deutschland vor Längerem eine Brauereifachschule gegründet. Inzwischen wurden nahezu alle chinesischen Braumeister dort ausgebildet. Einer der ersten Lehrer stammte seinerzeit aus München. China sei heute heute ein großes Bierland. Auch die Partnerprovinz Bayerns – Shandong – sei beim Thema Bier inzwischen landesweit wichtiger geworden. Dort befinde sich etwa der Stammsitz der Brauerei Tsintao. Deren Gerstensaft sei in China inzwischen die bekannteste Biermarke.

Wang machte klar, dass es vielerlei Beziehungen gebe, die über Oktoberfest und Weißbier hinausgehen: „Uns verbindet nicht nur das Bier.“ Seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1972 habe sich da einiges getan. So sei das deutsch-chinesische Handelsvolumen mit 40 Milliarden Euro im letzten Jahr 600 mal so groß gewesen wie noch vor 40 Jahren. Damit liege das Handelsvolumen über dem, das Frankreich, Spanien, Italien zusammen mit China erreichten. Trotz des sich abschwächenden chinesischen Wirtschaftswachstum gelte: Die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland würden immer enger.

Wang sagte im Verlauf der Podiumsdiskussion auch, dass man die noch existierende Problematik um Plagiate sehe. Und daran arbeite, Verbesserungen und Rechtssicherheit für beide Seiten zu bringen. So habe man die Gesetzgebung zum Thema Patente und Markenrechte intensiviert und wolle sie weiter vorantreiben. Da auch chinesische Firmen immer mehr in Forschung und Entwicklung investierten, sei es klar, dass man auch bei diesen Schutzrechten verstärkt international kooperieren müsse. Ein Hauptziel Chinas sei Innovation und der Aufbau des Landes. „Wir werden mit ganzer Kraft dieses Ziel verfolgen“, bekräftigte er. Inzwischen sei man sogar Weltmeister bei Patentanmeldungen. Vor kurzem erst hätten chinesische Patentbeamte in München einen Kurs beim hiesigen Deutschen Patentamt absolviert.

Trotz der Erfolge machte Wang aber auch klar, dass es in China immer noch viel zu tun gebe. So sei der Wohlstand zwar gestiegen, aber immer noch gebe es Arme in der Volksrepublik, auf deren Situation Chinas Politiker nun zunehmend achteten. Auch die rasante Urbanisierung des Landes werfe neue Problemlagen auf, die man lösen müsse. Er ließ durchblicken, dass man auch bei diesen Fragestellungen mit Deutschland und Bayern gerne zusammenarbeiten wolle.

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