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26.04.2013 (19:00), Thema des Tages:

„That's the Power of Motivation“ – ist Motivation eine Wissenschaft?

Von Thomas Kletschke

Seit über 40 Jahren setzt sich der Münchner Unternehmer Dr. phil. h.c. Erich Lejeune mit der Erfolgslehre „Unternehmensmotivation“ und dem erfolgreichen nachhaltigen „Verkäufertum“ auseinander. Über 20 Bücher hat der Motivationsfachmann zu diesem Thema geschrieben und schöpft aus seiner von Höhen und Tiefen geprägten Lebenserfahrung. Motivation ist für Erich Lejeune nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern auch eine Lebenswissenschaft. Der von ihm 2012 gestiftete weltweit erste Lehrstuhl für Philosophie und Motivation an der von den Jesuiten unterhaltenen Hochschule für Philosophie (HfPh) in München untermauert das mit Forschungsergebnissen. Gemeinsam mit Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ stellte er sich beim PresseClubforum den Fragen von Ruthart Tresselt.

PresseClubforum am 26. April mit Eriche Lejeune

Über ein Buch kam Unternehmer und Motivator Dr. phil. h.c. Erich Lejeune der Philosophie näher: Jostein Gaarders „Sofies Welt“ weckte in ihm das erste Interesse. „Dann habe ich die ‚schlauen Jungs‘ kennengelernt“, so Lejeune über den ersten Kontakt mit den Jesuiten, deren staatlich anerkannte HfPh in München ein Bachelor- und Masterstudium in der „Liebe zur Weisheit“ bietet. Im vorigen Jahr stiftete Lejeune dann den Lehrstuhl, der Verbindungen zwischen der klassischen Geisteswissenschaft und dem Feld der Motivations-Forschung aufzeigen soll – und das möglichst „energiereich“, wie Lejeune meint. In Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ hat er seinen akademischen Partner gefunden. Der auf Metaphysik, Sprachphilosophie und Philosophie des Geistes spezialisierte Hochschullehrer beschäftigt sich am noch jungen Lehrstuhl vor allem mit Fragen der philosophischen Psychologie, der Metaphysik mentaler Verursachung, der Theorie des freien Willens und der Handlungstheorie.

Motivation und Philosophie sind für den Jesuiten keine Gegensätze. „Die Psychologie sagt, dass Motivation triebhaft ist. Für die Philosophie hängt die Motivation eher mit dem Begriff Vision zusammen“, sagt Brüntrup. Und auch andere Konzepte aus der Philosophie haben Bezüge zur Motivation. „Beispielweise hängen Wille und Motivation zusammen“, so der Philosoph. „Denn: wenn ich nicht motiviert bin, muss ich den Willen gebrauchen“, erklärt Brüntrup auf dem Podium. Motivation dagegen komme „wie von selbst“, wie ein Fluß, ähnlich dem Glück, ein „Flow-Erlebnis“. Nicht nur eine Kategorie wie Glück biete Bezüge zur Motivation. Noch einen anderen Vergleich zu einem alten Menschheitstraum zieht der Hochschullehrer. „Die Motivation ähnelt dem perpetuum mobile. Wille ist dagegen wie ein Akku, der schnell leer ist.“

Für den praktisch denkenden Erich Lejeune hat erfolgreiche (Selbst-) Motivation etwas mit Sauberkeit im übertragenen Sinne zu tun. „Schau' Dir Dein Umfeld an.“ Oftmals sei jammern doch die zweite Fremdsprache der Menschen. „Wer motiviert sein will, muss sich erst mal reinigen“, fordert er. Und: die Lebenslust und Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. So habe ein Test unter Grundschülern gezeigt, dass diese sehr wohl Ziele hätten. Befrage man dagegen Abiturienten, gäbe nur eine kleine Minderheit an, (noch) ein Ziel zu besitzen. Das sei bezeichnend, so der Motivations-Experte. Denn ein gesellschaftliches Gift hat er ausgemacht: Angst. „Ängste ziehen Energie“, ist er überzeugt. Allerdings müsse man auch Selbstherrlichkeit beachten, das sei wichtig. Nur so könne man auch das für einen selbst richtige und wichtige Ziel erkennen. Denn nicht irgendein Ziel gelte es zu verfolgen, sondern das individuell eigene – was immer das sei.

„Wie wichtig sind denn Belohnungen im Zusammenhang mit der Motivation?“, wollte PresseClub-Vorstand Ruthart Tresselt wissen. Überraschenderweise können Belohnungen demotivierend sein – das ist zumindest die Überzeugung von Prof. Brüntrup. „Es ist frappierend. Aber Belohnungen oder Boni, wie bei Bankern, demotivieren langfristig“, so der Forscher. Denn ein wirklich motivierter Mensch sei intrinsisch motiviert. Die Belohnungen von außen dagegen führten zu anderen Effekten. Auch bei Sportlern sei dies besonders gut erforscht. Nur, wenn eine Tätigkeit wirklich kreativ und schöpferisch sei, gebe es eine echte und nachhaltige Motivation.

Lejeune pflichtet dem bei. Letztlich gehe es um Lebenslust. „Motivation ist nichts anderes als Energie.“ So kenne er persönlich einen Fall, bei dem ein Mann mit einer bösartigen Krebserkrankung diese besiegt habe – durch Motivation. „Wir haben gemeinsam gekämpft“, so Lejeune über den Fall. Der Genesene saß im Publikum und widersprach nicht. „Hier sitzt er. Das ist so etwas Großartiges“, sagte Lejeune. Er führe die Heilung auf die Kraft der Motivation zurück.
Sachen mit klarem Geist angehen.

Dass Motivation auch ein gemeinschaftliches Ereignis sein kann, betonte Erich Lejeune ebenfalls. Wenn in der Wirtschaft von „Managing by Values“ gesprochen werde, sei die gemeinsame Motivation aller Beteiligten genau das Ziel. Voraussetzung: „Die gesamte Mannschaft muss in einen Prozess kommen. Am besten die gemeinsamen Ziele zunächst ohne den Chef definieren“, rät er. Wie schwierig es sei, wenn es von oben nach unten verlaufe, zeige das Beispiel Microsoft. Der Softwareriese hatte vor einigen Jahren eine digitale Enzyklopädie entwickelt und promotet, „Microsofts 'Encarta' hat 2 Milliarden Dollar gekostet“, so Lejeune. Erfolg habe aber ein ganz anderes Projekt gehabt, das Leute mit einer gemeinsamen Vision verwirklicht hätten: Wikipedia. „That's the Power of Motivation“, fasste er zusammen.

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