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05.10.2009, Thema des Tages:

Wut und Trauer – Freiheit und/oder Sicherheit?

Bericht von Tilo Mahn

Auf der Suche nach Erklärungen

Im Forum des Münchner Presseclubs diskutierten Politiker und Experten über Gewalt und Sicherheit in der deutschen Gesellschaft. Der bayerische Innenminister und der Stellvertretende Landes- und Fraktionsvorsitzende und innenpolitischer Sprecher der FDP in Bayern, Andreas Fischer, stellten ihre parteispezifischen Ansichten dar. Als Experte für Familienpsychologie gab Professor Wassilios Fthenakis Anhaltspunkte dafür, was mögliche Ursachen für Jugendkriminalität sind. Der Kriminologe Professor Heinz Schöch machte klar, dass ein höheres Strafmaß das Verhalten von Jugendlichen häufig kaum ändert.

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Wollen bereit stehen für Maßnahmen gegen Gewalt unter Jugendlichen: von links: Professor Wassilios Fthenakis, Bayerns Innenminister Joachim Hermann, Moderator Ruthart Tresselt, FDP-Sprecher Andreas Fischer, Professor Heinz Schöch.
FOTOS: Schwepfinger

Die immer wiederkehrende Frage nach den Ursachen von U-Bahnschlägereien oder Amokläufen macht es laut Professor Fthenakis notwendig, über neue Ansätze in der Politik nachzudenken. Er kritisierte, dass Probleme, die gleichermaßen Kultus-, Bildungs- und Innenministerium betreffen, nicht gemeinsam angegangen würden. Für die tatsächlichen Ursachen wollte er keine einfachen Erklärungen gelten lassen. „Kein Ansatz kann die Komplexität dieses Ansatzes erklären“, sagte er. Für ihn steht fest, dass rein oberflächliche Maßnahmen und Gesetzesänderungen nicht helfen können.

Auf die Frage des Vorsitzenden der Münchner Presseclubs, Ruthart Tresselt, nach den tatsächlichen Ursachen für Gewalt unter Jungendlichen bezog sich Fthenakis auf Probleme in der Familie und der Erziehung. So müssten auch Lehrer und Eltern darauf achten, dass sie eingreifen, wenn Jugendliche gewalttätig erscheinen. Häufig würde stattdessen ein sowieso schon geringes Selbstwertgefühl von Schülern durch Lehrer häufig noch verkleinert und damit weitere Aggressionen provoziert.

Auch Andreas Fischer (FDP) sprach sich dafür aus, Straftaten schon frühzeitig zu verhindern, anstatt sie härter zu bestrafen. „Es muss von klein auf klar werden, dass Gewalt kein Mittel zur Lösung ist“, sagte er. Strengere Gesetze würden dagegen nur bedingt helfen. Professor Schöch bestätigte Fischers Einschätzung. Nach Erkenntnissen der Kriminalforschung wirkt sich die Höhe der Bestrafung nicht präventiv aus.

Alle Gesprächspartner waren sich darüber einig, dass Killerspiele und Gewaltfilme Kinder und Jugendliche zu mehr Gewalt anregen. Allerdings könne der Konsum allein nicht die Reaktion des Kindes hervorsagen, sagte Professor Fthenakis. Auch sein Kollege aus der Kriminalforschung, Professor Schöch, warnte davor, Amokläufe nur auf Killerspiele zurückzuführen. Vielmehr spiele auch die psychische Stabilität eine entscheidende Rolle.

So müsse bei den Kindern das Bewusstsein für Medien gestärkt werden, betonte Innenminister Hermann. Sowohl Eltern als auch Lehrer müssten darauf achten, dass Kinder darüber aufgeklärt werden, wie sie Medien sinnvoll nutzen können und welche Wirkung diese haben können. Die unabhängigen Kontrollgremien würden dabei lange nicht ausreichen, kritisierte Hermann. „Das ist Augenwischerei“, sagte er über die Freigabe von Gewaltmedien nach Altersklassen.

Für die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen spielt auch eine Rolle, welche Werte den Kindern vermittelt werden. Eltern sollten, auch beim Medienkonsum, klare Grenzen ziehen, und darauf achten, dass ihre Kinder Sport treiben und in sich in ihrer Freizeit anregend beschäftigen. Professor Fthenakis wies darauf hin, dass dies allerdings als erstes die Eltern einsehen müssten. „Wenn Eltern in ihrer Kompetenz gestärkt werden, dann sind die Kinder auch weniger gewalttätig“, sagte er.

Video 1: Wut und Trauer – Freiheit und/oder Sicherheit?

Video 2 : Stellungnahme zum Thema von Dr. Andreas Fischer, Stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag. Sprecher für Innen- und Rechtspolitik.

Video 3: Stellungnahme zum Thema von Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Prof. für Entwicklungspsychologie und Familienforschung, Freie Universität Bozen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Präsident des DIDACTA-Verbands e.V. 

Video 4: Stellungnahme zum Thema von Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Inneren

Video 5: Stellungnahme zum Thema von Prof. Dr. Heinz Schöch, Prof. für Starfrecht, Kriminologie, Jugendrecht und Starfvollzug an der Ludwig-Maximilians-Universität in München

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