Seiten durchsuchen

07.06.2010, Thema des Tages:

FIFA Fußballweltmeisterschaft 2010 ™ in Südafrika. Chancen und Risiken eines globalen Mega-Events.

Angelica Fuss

Moderator Wolfgang Ohlert zieht zu Beginn das Fazit der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Während der wirtschaftliche Nutzen volkswirtschaftlich wenig ins Gewicht fällt, hat Deutschland rückblickend doch großen Gewinn daraus gezogen: Weltweite Sympathie "Die Welt zu Gast in Deutschland", ein neues Selbstwertgefühl und eine neue Sicht des Fußballs als Vorbild für positives Verhalten.

Ähnliches erhofft sich Südafrika. Doch wer profitiert wirklich bei der ersten Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden? Das Südafrika-Image ist schlecht. Die Apartheid ist formal überwunden, aber das Land ist 20 Jahre danach immer noch gespalten, in den Townships herrschen Elend und Gewalt. Südafrika ist immer noch das Land der großen Gegensätze. Der Journalist und Autor Harald Rast wünscht dem Land, dass von der WM der Impuls zu einem positiven Imagewandel ausgeht und nachhaltige gesellschaftliche Auswirkungen hat. "Vielleicht spielen nach der WM auch in Südafrika Politik und Fußball im Doppelpass" hofft Engelbert Kupka, Präsident der SpVvG Unterhaching. Ähnliches hofft Klaus Augenthaler, 1990 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft, für das Land. Augenthaler blickt bei der WM 2010 mehr auf die Verhältnisse im Land als auf das sportliche Geschehen.

Andreas Keller, Sportökonom, entwirft ein düsteres Bild der WM-Vorbereitungen und der Rolle der FIFA. Wegen Sicherheitsbedenken läuft der Kartenverkauf schleppend, von 450.000 Tickets wurden bisher nur 230.000 verkauft. Die FIFA hat bereits 1,2 Milliarden Euro in die WM 2010 gepumpt - größtenteils für den Bau hoffnungslos überdimensionierter Stadien. Das Land wird an den Folgekosten schwer zu tragen haben, was in den nächsten Jahren Einsparungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen zur Folge haben kann. Schon im Vorfeld der WM wurden soziale Budgets auf den Stadionbau umgelenkt. Die FIFA stülpt Südafrika - einem Land, in dem Fußball schon fast eine Religion ist - westliche Standards über und raubt damit Südafrika die Chance zu einer "afrikanischen WM". Kupka kontert, dass es nicht das Ziel einer WM ist, soziale Schieflagen zu beseitigen. Doch auch nach seiner Meinung fordert die FIFA Standards ein, die in Afrika kaum zu erfüllen sind. Damit verschärft sie die Probleme im Land. Keller ergänzt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Gastgeberland überschätzt werden. Profiteure sind die FIFA und die multinationalen Konzerne.

Eine wesentliche Rolle beim Imagewandel Südafrikas könnten die westlichen Medien durch Berichterstattung nach der WM übernehmen. Doch Harald Rast ist skeptisch. Am Tag nach dem WM-Schlusspfiff gehen in den Fernsehstudios die Lichter aus, die Journalisten brechen ihre Zelte ab und Südafrika versinkt in medialer Nicht-Beachtung.

Video 1: FIFA Fußballweltmeisterschaft 2010 ™ in Südafrika. Chancen und Risiken eines globalen Mega-Events.

Video 2: Interview mit Wolfgang Ohlert, ehemals Protokollchef WM 2006

Video 3: Diskussionsrunde

Video 4: Interview mit Engelbert Kupka, Präsident SpVgg Unterhaching & Altbürgermeister Unterhaching

Video 5: Interview mit Klaus Augenthaler, Fußball-Star & Trainer SpVgg Unterhaching

Video 6: Interview mit Harald Rast, Journalist & Co-Autor "Kap meiner Hoffnung"

Zurück