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05.07.2010, Thema des Tages:

Apples Mediengeschäft – gute oder schlechte Nachrichten für Zeitungsverleger?

Angelica Fuss

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Dr. Wolfgang Wallauer, Telefonica o2, Rudolf Spindler, Süddeutsche Zeitung, Marc Ritter, Jan Bayer, WELT Gruppe und Michael Geffken, Leipzig School of Media.
FOTO: Johann Schwepfinger

Moderator Marc Ritter umreißt die derzeitige Situation: den deutschen Tageszeitungen geht es nicht gut. Sie leiden seit Jahren an Leserschwund und Anzeigenrückgang. Nicht nur junge Zielgruppen befriedigen ihren Informationsbedarf immer stärker über das Internet – zunehmend auf mobilen Endgeräten wie Smartphones. Alle drei klassischen Erlösquellen der Tageszeitungen – Rubrikenanzeigen, Displaywerbung und Kauf- bzw. Aboerlöse – bröckeln. Die Tageszeitungen sind – wie viele behaupten – nicht rechtzeitig und konsequent genug auf den Internetzug aufgesprungen, der seit Mitte der Neunziger Jahre rollt, und in dem mittlerweile 67 Prozent der deutschen Bevölkerung sitzen. Welche Fallstricke bietet die Produktion digitaler Inhalte? Sollen die Verlage die Druckerpressen verschrotten? Wird Information zu Content degradiert, über dessen geräteabhängige Aussteuerung Konzerne wie Apple, Google und Microsoft entscheiden? Werden Journalisten zu reinen Content-Erstellern?

Rudolf Spindler, Leiter Magazine, Produktentwicklung und Marketing bei der Süddeutschen Zeitung GmbH, hält das IPad für ein Nischenprodukt, hat aber dennoch große Erwartungen an digitale Lesegeräte und hofft auf die Erschließung neuer Leserschichten: „Wir gehen weg von der ‚Kostenlos-Kultur’ im Internet“. Verlage verlangen Geld für ihre Inhalte – genau wie im Print. Die Herausforderung ist, neue, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Jan Bayer, Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung WELT Gruppe, hält das IPad sowohl für ein Nischen- als auch ein Trendprodukt. „Das IPad verändert die Marktregeln“. Es ist ein „sinnliches“ Produkt, mit dem Lesen Spass macht und das laut einer Studie sogar 65% der User zu Hause nutzen. Michael Geffken, Geschäftsführer der Leipzig School of Media, hält das IPad für mehr: die Mediennutzungszeit – vor allem Abends – steigt. Digitale Medien nehmen stark zu. Für ihn ist die große Frage, ob die Zeitungsverlage es rechtzeitig schaffen, digitale Modelle zu entwickeln. Grundsätzlich sei die Bereitschaft da, journalistische Inhalte auf digitalen Lesegeräten zu lesen, aber die Verlage müssen Ihre Technikfeindlichkeit über Bord werfen. Die Branche müsse nun nachziehen – schon bei der Journalistenausbildung müssen neue Schwerpunkte, z.B. im Cross-Media-Bereich und bei der Vermarktung digitaler Inhalte, gesetzt werden. Journalisten müssen lernen mehr auf „Zeit“ und „Ort“ des Lesers hin zu schreiben. Wolfgang Wallauer von Telefonica o2 begrüßt, „dass Apple Gas gibt“. Die mobile Nutzung des Internet sei eine Chance für die Verlage, interaktiver mit den Kunden in Kontakt zu treten. Auch er sieht die Zukunft in der zunehmenden Nutzung mobiler Endgeräte. Skeptisch zeigt er sich gegenüber der ständigen Beschleunigung der Medienwelt.

In einem sind sich alle Teilnehmer einig: Bei aller Technik steht der Inhalt nach wie vor im Vordergrund. Journalismus muss bei aller Veränderung unbedingt Journalismus bleiben. Das IPad ist ein Experimentierfeld: noch fehlt der konkrete Blick auf das Nutzerverhalten. Aufgabe der Verlage ist, die Chance anzupacken und ein Erfolgsmodell zu kreieren.

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